Hallo,
wir hatten bei uns ein ähnliches Thema mit älteren Papierzeichnungen, 2D-Plänen und historisch gewachsenen Unterlagen aus verschiedenen Jahren. Meine Empfehlung wäre ganz klar: Nicht alles blind auf einmal vergeben, sondern das Ganze nach Priorität und Baugruppen staffeln. Also zuerst die Teile oder Baugruppen, die regelmäßig nachbestellt, geändert oder mit Lieferanten abgestimmt werden müssen. Genau dort merkt man den Nutzen am schnellsten und kann gleichzeitig den Prozess sauber aufsetzen, bevor man den kompletten Altbestand überführt.
Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem, dass ihr zu Beginn eine saubere Prüfroutine festlegt. Bei solchen Projekten ist nämlich nicht nur das reine Digitalisieren entscheidend, sondern ob die späteren Daten auch wirklich belastbar für Fertigung, Einkauf und Abstimmung mit Zulieferern sind. Wir haben damals darauf geachtet, dass kritische Maße, Toleranzen, Passungen und funktionsrelevante Geometrien separat gegengeprüft werden. Wenn die alten Zeichnungen unklar, handschriftlich ergänzt oder über Jahre mehrfach geändert wurden, sollte man nicht einfach nur „abschreiben“, sondern bewusst verifizieren, ob der Ist-Zustand überhaupt noch dem Planstand entspricht.
Sinnvoll war bei uns außerdem, pro Baugruppe erst einen kleinen Piloten zu machen. Dadurch sieht man schnell, wie gut der Dienstleister arbeitet, wie normgerecht die Daten aufgebaut sind und ob die Kommunikation sauber läuft. Gerade wenn internationale oder kundenspezifische Normen berücksichtigt werden müssen, trennt sich da oft die Spreu vom Weizen. Ein guter Dienstleister denkt nicht nur in Linien und Flächen, sondern versteht auch, wie die Daten später in Konstruktion, Produktion und bei externen Partnern genutzt werden.
Was die Qualitätssicherung angeht, würde ich immer mehrere Ebenen einbauen:
1. Sichtprüfung der digitalisierten Zeichnungen
2. Maßprüfung bei kritischen Komponenten
3. Abgleich mit bestehenden Teilen, Mustern oder Nachbestellungen
4. Freigabe erst nach Rücksprache mit Konstruktion bzw. Produktion
Spürbar erleichtert hat sich bei uns danach vor allem die Arbeit mit Lieferanten. Sobald saubere 3D-CAD-Daten und aktuelle Fertigungszeichnungen vorliegen, werden Rückfragen weniger, Änderungen können schneller eingearbeitet werden und Missverständnisse durch alte Planstände nehmen deutlich ab. Auch intern ist es angenehmer, weil man nicht jedes Mal wieder in Papierordnern oder alten PDF-Versionen suchen muss.
Ergänzend kann es je nach Projektvolumen auch interessant sein, erste Entwürfe oder Vorstufen mit KI-gestützten Tools zu beschleunigen. Wer sich das anschauen möchte:
3D Modelle erstellen mit KI kann gerade bei visuellen Vorlagen oder einfachen Geometrien ein interessanter Zusatz sein, bevor die finale technische Ausarbeitung im CAD erfolgt. Das ersetzt natürlich keine saubere Konstruktion, kann aber in frühen Schritten Zeit sparen.
Mein Fazit: gestaffelt starten, mit Pilot-Baugruppen arbeiten, Prüfroutine fest definieren und erst nach erfolgreichem Test in die breite Masse gehen. Dann bleibt das Projekt beherrschbar und ihr habt schneller einen echten Nutzen für Produktion, Lieferanten und spätere Änderungen.
Viele Grüße